Eine beeindruckende Ära eines Baunataler Feuerwehrmannes endet


Am vergangen Mittwoch war es nun soweit, Rolf Lengemann hat seinen letzten Übungsdienstabend bei der Feuerwehr Baunatal. Nicht aber, weil er keine Lust mehr hat, oder er besseres zu tun hat – nein, rechtliche Vorgaben aufgrund des Alters lassen ihn Abschied nehmen von einer 44 jährigen Karriere als ehrenamtlicher Brandschützer. Er war schon fast so etwas, wie eine Institution, denn sein Engagement und seine Verdienste für den ehrenamtlichen Brandschutz in der Stadt Baunatal und weit über deren Grenzen hinaus waren beachtlich.

1970 wurde er als 16 Jähriger in Guntershausen von einem Feuerwehrkameraden angesprochen, ob er nicht auch Lust habe, ehrenamtlich sich in den Dienst der Feuerwehr zu stellen. Er zögerte nicht lange und fand daran schnell gefallen. So dauerte es auch nicht lange, bis er sein erstes Amt als Jugendwart im Stadtteil Guntershausen antrat. 1973, als noch junger Feuerwehrmann, wurde er auf eine harte Probe gestellt. Bei dem dramatischen Zugunglück in Guntershausen war er als einer der ersten Helfer vor Ort. Bereits 1974 wurde er stellv. Stadtjugendfeuerwehrwart und 1976 schließlich von Stellvertreter zum Chef der Jugendfeuerwehr in Baunatal. Dieses Amt hatte er stolze 17 Jahre bis 1993 inne.

Er tat aber nicht nur viel für den Nachwuchs in Baunatal, sondern bildete sich auch für den Einsatzdienst immer weiter bis zum Zugführer und  wurde schließlich 1977 auch selbst Ausbilder auf Kreisebene am Standort Baunatal für den Feuerwehr-Grundlehrgang und die Truppführer Ausbildung. Hierbei war er oft auch Lehrgangsleiter.
1977 war auch das Jahr, in dem er innerhalb Baunatals umzog. Seither lebt er mit seiner Frau Susanne in Altenbauna, wo er auch heute noch Mitglied in der Feuerwehr ist. In Altenbauna war er insgesamt 19 Jahre Gruppenführer und 5 Jahre stellvertretender Wehrführer.

Anfang 1990 gründete er in Baunatal die Brandschutzfrüherziehung. Damals war Baunatal die erste Feuerwehr im Landkreis, welche diese wichtige Arbeit einführte. Noch heute ist die Brandschutzfrüherziehung Bestandteil der ehrenamtlichen Tätigkeit der Baunataler Brandschützer. Hierdurch werden nicht nur die Kinder in den Kindergärten und Grundschulen auf den richtigen Umgang mit gefährlichen Situationen  und den richtigen Notruf bei Bränden aufgeklärt, sondern diese Arbeit bildet auch einen wichtigen Grundstock für die Jugendarbeit der Feuerwehr. Durch die Ausbildung im Kindesalter werden auch einige Kinder aufmerksam auf die Arbeit der Feuerwehr, und so hat schon der ein oder andere Jugendliche den Weg zur Jugendfeuerwehr gefunden. Diese wiederum ist die wichtigste Quelle zur Nachwuchsgewinnung für die Einsatzabteilungen in den Stadtteilen.

Rolf Lengemann war aber nicht nur in Baunatal für die Jugendarbeit tätig. Er war auch Schiedsrichter für Feuerwehrwettkämpfe und seit Jahrzenten Abnahmeberechtigter der Leistungsspange im Land Hessen. Nicht nur das, sondern auch Dienstältester Abnahmeberechtigter des deutschen Jugendfeuerwehrverbandes!
Dies allem zum Anlass, hatte die Wehrführung, unter Leitung von Heiko Wicke, den letzten gemeinsamen Übungsdienst der Würdigung und Verabschiedung von Rolf Lengemann gewidmet.
In einer kleinem Laudatio ließ Wicke die beachtliche Karriere Revue passieren und dankte Rolf Lengemann für sein großartiges Engagement, nicht nur bei den rund 2000 Einsätzen, die er in seiner Laufbahn immer mit seiner besonders besonnen und ruhigen Art gemeistert hat.

Alle Kameraden aus Altenbauna kamen zu seiner Verabschiedung, auch die Kameraden der Alters-und Ehrenabteilung, welcher er noch nicht sofort beitreten möchte. Zuvor muss erst der Wehmut verfliegen, der einher geht mit dem Abschied aus seinem lebensbegleitenden Hobby. Der Name Lengemann, bleibt aber auch weiterhin der Feuerwehr Baunatal im Einsatzdienst erhalten, denn sein ältester Sohn Stephan ist stellv. Wehrführer in Guntershausen. Dort wo alles began.

Von den Kameraden erhielt er auch zum Abschied Geschenke. Für den in Kürze startenden Umbau des zentralen Feuerwehrhauses konnte Rolf Lengemann als ehrenamtlicher Bauleiter gewonnen werden. Dieses Amt soll ihm als staatlich geprüfter Vermesser und damit Mann vom Fach nicht nur den Ruhestand erleichtern, sondern der Feuerwehr als Bindeglied zwischen den Brandschützern und der Baufirma dienen.
Für seine Bauaufsicht erhielt er von den Kameraden einen Bauhelm, bestückt mit Sprüchen aus seiner Laufbahn, die bis heute den Kameraden im Gedächtnis geblieben sind. Des Weiteren bekam er einen Feuerwehrhelm mit den Unterschriften aller Altenbaunaer Kameradinnen und Kameraden als Andenken. Last but not least gab es noch ein altes Feuerwehrhandsprechfunkgerät, welches von den Kameraden als radio-und MP3 Player umgebaut wurde.

Gerade bei der Übergabe der Geschenke schrillen die Funkmeldeempfänger der Kameraden auf. Das Einsatzstichwort hieß: „Schornsteinbrand“. Die ausgerückten Kräfte konnten aber schnell vor Ort Entwarnung geben. Bei der Inbetriebnahme eines Kamins in der Carl-Benz Straße in Altenbauna kam es zu Brandgeruch und zu einer ungewöhnlich schnellen Aufheizung des Raumes. Nach Feststellung der Ursache und Übergabe der Einsatzstelle an den eingetroffenen Bezirksschornsteinfeger Meisters, konnten die Brandschützer zurück zu ihrem Kameraden Rolf Lengemann, der in der Zwischenzeit Deftiges auf dem Grill vorbereitet hatte.