Berufsfeuerwehtag der Jugendfeuerwehr Altenritte


Es ist Freitag, der 4. September 2015. 17:00 Uhr. Dienstantritt für die zukünftigen Brandschützer der Freiwilligen Feuerwehr Baunatal in Altenritte.
Die Jugendwarte Jan Rämisch, Saskia Michalke, Daniel Wetzig und Stefan Rodenberg begrüßen die Jugendlichen vor der Fahrzeughalle am Feuerwehrhaus. Neben den allgemeinen Verhaltensregeln wird den Jugendlichen ein grober Tagesablauf für die nächsten 24 Stunden vorgestellt. Neben dem Löschfahrzeug (LF) wird zusätzlich ein Rettungswagen (RTW) des ASB Nordhessen besetzt. Die Einteilung der Funktionen (Gruppenführer, Maschinist, Melder, Angriffstrupp, Wassertrupp und RTW-Besatzung) wird über die Jugendwarte geregelt und nach jedem Einsatz neu aufgelistet.

Als erster offizieller Punkt war die Einweisung der jungen Feuerwehrmänner auf dem Rettungswagen geplant. Hier wurde die moderne Technik des RTW vorgestellt und der Umgang mit den Geräten gezeigt. Parallel dazu sollte eigentlich das Löschfahrzeug gereinigt und die Geräte auf Funktion getestet werden. Aufgrund eines technischen Defekts an dem mittlerweile 27 Jahre alten Fahrzeug konnte dieser Punkt vorerst nicht ausgeführt werden. Nach einer kurzen Überlegung fragte man in der Nachbarwehr Großenritte nach einem Ersatzfahrzeug an. Über den kurzen Dienstweg konnte das LF 10 für die nächsten 24 Stunden in Altenritte stationiert werden.
Nachdem sich erst einmal mit frisch zubereiteten Hamburgern in der Floriansstube gestärkt wurde ging es wieder nach draußen um die Beladung des LF 10 etwas näher kennen zu lernen. Ein lauter Gong im Feuerwehrhaus unterbrach die heitere Stimmung für eine kurze Zeit. Aus den Lautsprecherboxen sagte eine Stimme: „Achtung, Achtung, Einsatz für das LF und den RTW. Person in Notlage – Schachtrettung in der Robert-Koch-Straße“. Sofort wurde sich die Schutzkleidung übergeworfen und die Fahrzeuge in Windes Eile besetzt. Mit „Blaulicht und Martinshorn“ wurde die Einsatzstelle angefahren. Während der Gruppenführer die Lage erkundete wartete die Mannschaft im Fahrzeug gespannt auf ihren Einsatzauftrag. Eine bewusstlose Person lag in einem sehr schwer zugängigen Schacht in dem Keller eines Wohngebäudes. Die Besatzung des RTW kümmerte sich bereits um den Verletzten als die restlichen Kameraden eine Rettung mit Steckleiter und Spineboard vorbereiteten. Ziel war es, den Verletzten (Überzeugend dargestellt von Robin Sirsch) möglichst schonend aus seiner Misslingen Lage zu befreien. Nach mehreren Versuchen ist dies auch gelungen. Die Fahrzeuge wurden wieder komplett beladen und der erste Einsatz war somit beendet. Wieder am Feuerwehrhaus angekommen, wurde in einer Nachbesprechung die Vorgehensweise nochmals erläutert.

Nun wurden die Feldbetten aufgestellt und es konnte sich so langsam auf die Nachtruhe vorbereitet werden. Doch die Vorbereitung hielt nicht lange an. Erneut sorgte der Gong mit anschließender Alarmdurchsage für einen Adrenalinschub. Diesmal musste in einem Mehrfamilienhaus eine Wohnungstür geöffnet werden, da sich in der Wohnung eine hilflose Person befand. Mit Spezialwerkzeug konnte ein schneller Zugang geschaffen werden. Nachdem der Patient rettungsdienstlich versorgt wurde konnte er auf dem sogenannten Spineboard (Rettungsbrett) durch das enge Treppenhaus nach draußen befördert werden. Wieder am Feuerwehrhaus angekommen wurde die Nachtruhe eingeläutet. Der eine mehr der andere weniger erschöpft suchte sich in seinem Feldbett eine gemütliche Position und ruhte sich.

Gegen 3 Uhr am frühen Morgen störte der Alarmgong die nächtliche Ruhe. „Achtung, Achtung, Einsatz für das LF und den RTW. Vermutlich Waldbrand in Guntershausen“. Schon auf der Anfahrt war von weiten ein Feuerschein sichtbar und die Besatzung des LF wusste, dass es bei Ankunft sehr schnell gehen muss. An der Einsatzstelle angekommen wurde die Feuerwehr gleich von einem sehr aufgeregten Waldarbeiter angesprochen, der berichtete, dass sein Kollege irgendwo im Wald verschwunden sei. Daher wurde parallel zur Brandbekämpfung die Personensuche vorgenommen. Nach einem längeren Suchen konnte der Vermisste dem Rettungsdienst zur weiteren Versorgung übergeben werden. Auch die restlichen Glutnester (es handelte sich um ein kontrolliertes Feuer auf einem Acker) wurden abgelöscht. Nachdem die Fahrzeuge wieder einsatzbereit am Feuerwehrhaus in Bereitstellung standen und sich die Jugendlichen wieder teilweise zur Ruhe gelegt hatten, ertönte erneut der Alarmgong. „Einlauf einer Brandmeldeanlage in Kirchbauna“. Wieder wurden in kürzester Zeit die Fahrzeuge besetzt und mit „Alarm“ ausgerückt. Vor Ort wurde das Gebäude kontrolliert und es konnte schnell Entwarnung gegeben werden. Die BMA hatte vermutlich aufgrund eines technischen Defekts einen Alarm ausgelöst. Nun konnte bis zum Frühstück weiter geschlafen werden.

Am Samstagmorgen sind zunächst die Betten wieder ordnungsgemäß verstaut und die Tische wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht worden. Bei einem ausgiebigen Frühstück wurden die Ereignisse der Nacht noch einmal besprochen. Als nächstes stand etwas theoretischer Unterricht auf dem Plan. Es wurde sich mit dem Thema FwDV 3 „Einheiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz“ auseinander gesetzt.
Gegen 11:00 Uhr folgte die nächste Alarmierung für diese Schicht. Mit dem Einsatzstichwort „Gefahrgutunfall mit verletzten Personen“ fuhren die Fahrzeuge voll besetzt auf einem Parkplatz an der Kirchbaunaer Straße. Bei dem Gefahrgut handelte es sich um eine hochentzündliche Flüssigkeit, die aus einem Behälter der auf einem Anhänger geladen war auslief. In unmittelbarer Nähe befand sich eine verletzte Person, die auf dem schnellsten Wege in Sicherheit gebracht werden musste. Der Angriffstrupp ging „unter Atemschutz“ vor. Durch eine plötzliche Explosion war der Angriffstrupp so „schwer verletzt“ worden, dass ein weiterer Trupp unter Atemschutz zur Rettung vorgehen musste. Anschließend wurde das Auslaufen der Flüssigkeit gestoppt. Die Einsatzstelle wurde weiträumig abgesperrt und in einer gleich im Anschluss folgenden Einsatznachbesprechung auf die Gefahren bei solchen Szenarien hingewiesen.

Zum letzten Alarm an diesem Tag kam es gegen 12:30 Uhr. Die automatische Brandmeldeanlage des Altenheims Gertrudenstift in Großenritte hatte ausgelöst. Vor Ort stellte es sich heraus, dass es sich hierbei um einen Fehlalarm handelte. Nun konnte sich beim Mittagessen mit saftigen Steacks und Salaten auf das Ende der Schicht vorbereitet werden. Im Anschluss daran wurden die Fahrzeuge gereinigt und das Feuerwehrhaus wieder auf Vordermann gebracht.

Bei allen Einsatzszenarien handelte es sich um Übungen, die im Vorfeld durch die Jugendwarte und einigen Helfern geplant wurden. Nicht nur der Spaß an der Feuerwehrarbeit, auch das korrekte Vorgehen bei solchen Einsätzen, die Zusammenarbeit untereinander und die Übung mit dem Umgang der technischen Gerätschaften sind mit die wichtigsten Bestandteile eines solchen „Berufsfeuerwehrtags“. Dieser wäre nicht ohne die vielen fleißigen Helfer Drumherum so glatt gelaufen.
Besonders bedanken möchten wir nochmals auf diesem Wege bei Tobias Vaupel. Er unterstützte uns das ganze Wochenende als Fahrer des RTW. Auch Swen Bahrtel, Christian Oberg und Jonas Jäger unterstützten bei den Vorbereitungen und stellten sich als Darsteller bei den Übungen zur Verfügung.

Stefan und Tanja Michalke, Ramona Rämisch und Janine Bahrtel versorgten uns an beiden Tagen mit leckeren Essen und Getränken. Vielen Dank dafür!



Ein „Waldbrand“ wurde gelöscht. Parallel dazu fand eine Personensuche im Waldgebiet statt.


Eine verletzte Person musste aus einem schwer zugänglichen Schacht gerettet werden.
Dazu wurde der Patient auf dem sogenannten „Rettungsbrett“ fixiert.